
30 Jahre Weißiger Werkstätten: „Teilhabe geht uns alle an.“
30 Jahre Weißiger Werkstätten (WfbM) stehen für vielfältige Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung: Sie bieten geschützte Arbeitsplätze innerhalb der Werkstatt, Außenstellen mit inklusiven Teams und sie unterstützen Menschen dabei, in regionalen Unternehmen zu arbeiten. Künftig sollen Dresdner Firmen stärker dabei unterstützt werden, Teilhabe im eigenen Betrieb zu ermöglichen. Zum 30-jährigen Bestehen am 8. Oktober 2026 öffnen die Werkstätten ihre Türen für Industrie und Wirtschaft.
Die Weißiger Werkstätten sind eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) und zugleich ein Ort für berufliche Bildung, Arbeit und Teilhabe. Was mit dem Ziel begann, sinnvolle Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, hat sich weiterentwickelt: Heute begleiten die Weißiger Werkstätten auch regionale Unternehmen dabei, Menschen mit Behinderung in ihre Arbeitswelt einzubeziehen.
„Teilhabe geht uns alle an. Menschen mit Behinderung sollen gesehen werden. Sie gehören mitten in unsere Gesellschaft und selbstverständlich dazu. Dafür haben wir neben dem geschützten Rahmen auch außerhalb der Werkstatt inklusive Arbeitsplätze geschaffen und möchten in Zukunft Dresdner Firmen verstärkt unterstützen, Teilhabe direkt im Unternehmen zu ermöglichen“, sagt Heike Heubner-Christa, Geschäftsführerin der Implus Dresden gGmbH. Aktuell werden 40 Personen auf sogenannten betriebsintegrierten Außenarbeitsplätzen (BiAP) in regionalen Firmen begleitet.
Zum 30-jährigen Bestehen öffnen die Weißiger Werkstätten am 8. Oktober 2026 von 9.00 bis 12.00 Uhr ihre Türen. Industriekunden erhalten Einblicke in die Arbeitsbereiche und den modernen Maschinenpark. Sie können sich auch über Möglichkeiten informieren, selbst einen betriebsintegrierten Außenarbeitsplatz für Menschen mit Behinderung in der eigenen Firma zu schaffen.
Die 90er-Jahre: Aus vielen Arbeitsbereichen wächst eine Werkstatt (WfbM)
Die Geschichte der Weißiger Werkstätten (WfbM) beginnt Anfang der 1990er-Jahre auf dem Gelände der Diakonissenanstalt Dresden. Dort entstanden Beschäftigungsbereiche für Menschen mit Behinderung, etwa in der Holz- und Metallbearbeitung, Handmontage und Verpackung sowie in der Garten- und Landschaftspflege.
1996 wurden diese Angebote unter einem Dach zusammengeführt: Der Neubau der Weißiger Werkstätten entstand. „Die Idee war, Menschen mit Behinderung verlässliche Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, unterschiedliche Arbeitsbereiche zusammenzuführen und sie professionell auszubilden und zu begleiten“, sagt Heike Heubner-Christa. Damals galten die Weißiger Werkstätten als größter Werkstatt-Neubau in Sachsen, ausgelegt für 240 Menschen mit Behinderung.
Von Anfang an gehörten unter anderem eine Industriewäscherei, die Tischlerei sowie der Bereich Montage, Logistik, Verpackung, die Keramik und eine Großküche zum Angebot. Auch der Berufsbildungsbereich ist Teil der Werkstatt. Dort können Menschen mit Behinderung ihre Fähigkeiten entdecken, verschiedene Arbeitsfelder kennenlernen und sich für unterschiedliche Tätigkeiten ausbilden lassen. 2004 wurde die Betriebsstätte in Pieschen eröffnet, 2020 folgte die dritte Betriebsstätte in Dresden-Reick für Metallbearbeitung. Heute bieten die Weißiger Werkstätten mehr als 450 Menschen mit Behinderung an drei Betriebsstätten und vier Außenstellen Beschäftigungsmöglichkeiten in elf Bereichen.
Die Werkstatt ist für viele Menschen ein berufliches Zuhause. Hier können sie ihre Fähigkeiten einbringen, sich entsprechend ihrer Interessen ausprobieren und lernen. Teilnehmende im Berufsbildungsbereich erwerben anerkannte Zertifikate und lernen nach „Praxisbaustein“. Dies sind anerkannte Zertifikatslehrgänge in Anlehnung an das Berufsbildungsgesetz. „Für manche Menschen ist die Werkstatt der passende Arbeitsplatz, für andere entstehen von hier aus weitere Möglichkeiten. Beides ist wichtig und beides gehört für uns dazu“, sagt Heike Heubner-Christa.
Seit 2007: Außenstellen der Werkstatt mit inklusiven Teams
Auch außerhalb der Weißiger Werkstätten entstanden im Laufe der Jahre neue Bereiche: 2007 eröffnete der CAP-Markt als inklusiver Supermarkt, 2008 folgte das Lloyd’s Café & Bar in der Dresdner Neustadt. 2024 kam das Hotel am Schwanenhaus mit dem Café Blanc hinzu. Menschen aus dem Arbeitsbereich der Weißiger Werkstätten arbeiten dort gemeinsam mit Fachkräften aus Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie. „Mit unseren Außenstellen machen wir Teilhabe erlebbar, mitten in der Stadt und mitten in unserem Alltag: beim Einkaufen, bei der Gartenpflege, im Hotel oder im Café.“
Außenarbeitsplätze in regionalen Firmen
Mit den betriebsintegrierten Außenarbeitsplätzen (BiAP) schaffen die Weißiger Werkstätten Möglichkeiten, Menschen mit Behinderung direkt in Dresdner Firmen einzusetzen. Die Fachkräfte und der Sozialdienst der WfbM begleiten die Menschen vor Ort.
„Rund 40 Beschäftigte sind aktuell in Dresdner Behörden und Büros, in Kindergärten oder in handwerklichen Betrieben, zum Beispiel in der Bäckerei oder im Hausmeisterservice im Einsatz“, sagt Heike Heubner-Christa. „Betriebe in Dresden und dem Umland, die Menschen mit Behinderung in ihren Arbeitsalltag integrieren möchten, können auf die Unterstützung der Weißiger Werkstätten zurückgreifen.“ Geschulte Mitarbeiter beraten und begleiten den Prozess der Inklusion.
Arbeiten in regionalen Firmen: Ein junger Mann geht den nächsten Schritt
Herr Daniel Bartsch zeigt, wie dieser Weg gelingen kann: Zunächst arbeitete er in den Weißiger Werkstätten, anschließend im Lloyd‘s Café & Bar. Mit Unterstützung des Werkstattteams wechselte er 2025 in den regionalen Bäckereibetrieb Liebscher mit 35 Mitarbeitenden. Heute übernimmt er Aufgaben im Verkauf und ist Teil des Teams: „Ich mache meine Arbeit gerne und freue mich, dass ich hier mitarbeiten kann.“ Inhaberin Tina Liebscher sagt: „Er gehört für uns ganz selbstverständlich zum Team dazu.“

Dresdner Firma CooolCase ermöglicht Teilhabe
Ein weiteres Beispiel ist die Dresdner Firma CooolCase. Seit 2020 arbeiten Menschen aus dem Arbeitsbereich der Weißiger Werkstätten und die Belegschaft des Spezialisten für Sonderanfertigungen im Gehäusebau gemeinsam in einer Werkshalle in Dresden-Reick. Dort arbeitet auch Rüdiger Voigt. Seit der ersten Stunde ist der gelernte Werkzeugmacher bei den Weißiger Werkstätten tätig und begleitet heute als Fachkraft mit sozialpädagogischer Zusatzqualifikation 38 Beschäftigte im Bereich Metallbearbeitung. „Gemeinsam mit der Belegschaft von CooolCase zu arbeiten, macht unsere Beschäftigten sehr stolz. Die gemeinsame Aufgabe schafft Begegnungen, Verantwortung und das Gefühl, dazuzugehören. Was uns bei CooolCase in der Industrie gelingt, können auch kleinere Firmen oder Handwerksbetriebe umsetzen“, sagt Rüdiger Voigt.
Ziel der Weißiger Werkstätten ist es, Menschen mit Behinderung unterschiedliche Wege zu ermöglichen: einen geschützten Arbeitsplatz in der Werkstatt, Teilhabe in inklusiven Teams oder auf Einzelarbeitsplätzen in regionalen Firmen. „Entscheidend ist, dass jeder Mensch die Möglichkeit bekommt, den Arbeitsplatz und die Unterstützung zu finden, die zu den eigenen Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen passen“, sagt Heike Heubner-Christa.
Weitere Informationen zu den Angeboten der Weißiger Werkstätten: www.weissiger-werkstaetten.de









